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Woher hat RWE das Geld?

Kann ein Kredit an RWE als Nachhaltigkeitsgebundener Kredit gelten?

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© Hasin Hayder

Im Dezember 2021 hat HSBC, die größte Bank in Europa, eine Strategie für den Ausstieg aus der Thermalkohle veröffentlicht.

Darin legt HSBC fest: “HSBC wird keine neuen Finanzierungen für Kunden zu speziellen Zwecken oder neue Beratungsdienste in Verbindung mit Aktivitäten bereitstellen, die ihrer Ansicht nach mit den Zielen und Verpflichtungen von HSBC unvereinbar sind oder die nicht mit den Zeitplänen der HSBC-Verpflichtung zum Ausstieg aus der Geschäftstätigkeit übereinstimmen. Dazu gehören unter anderem: … Ausweitung von Braunkohle.”

Doch ein Bericht vom Bureau of Investigative Journalism stellt fest, dass RWE von der Bank $340 Millionen an revolvierenden Kredit erhalten hat. Laut dem Finanzmarktdatenanbieter Refinitiv hat RWE insgesamt einen revolvierenden Kredit von $5,4 Milliarden von einer Gruppe an 25 Banken, darunter HSBC, Barclays und Santander, erhalten. Alle drei Banken haben sich auf Papier dazu verpflichtet, ihre Finanzierungen und Investitionen bis 2050 auf Klimaneutralität auszurichten.

Wie verträgt sich dieser Kredit mit den Zielen von HSBC? Laut dem Bericht des Bureaus fragten sich das intern auch die Banker. Sie äußerten Bedenken hinsichtlich der Pläne von RWE Lüzerath auszuradieren. Doch am Ende stimmten die Verantwortlichen für Nachhaltigkeit und Reputationsrisiken dem Geschäft zu. Die Bank wollte lediglich, dass RWE nicht öffentlich macht, dass HSBC beteiligt ist (Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass Geheimhaltung eine formale Bedingung des Kredits war). Der Name sollte nicht mit Lüzerath in Verbindung gebracht werden. Aber das Geld floss. Ein HSBC Banker, der anonym bleiben wollte, gestand dem Bureau, dass dieser Ansatz “fragwürdig” sei.

Wie „nachhaltig“ ist „nachhaltige Finanzierung“?

Das Bureau hat zusammen mit der BBC erst Monate zuvor herausgefunden, dass HSBC $2,4 Milliarden an “nachhaltiger Finanzierung” an Unternehmen gegeben hat, die nachweislich die Klimakrise verschärfen. Ist das eine Bank, die nach eigenen Angaben, “den Übergang zu einer nachhaltigeren Welt mitanführen” möchte?

HSBC sagte dem Bureau: „Die Einzelheiten dieses [Geschäfts] und aller beteiligten Banken sind wie üblich öffentlich zugänglich. Wir haben Prozesse, die sicherstellen, dass unsere Finanzierungen mit unseren Richtlinien übereinstimmen, zu denen auch die Erwartung an unsere Kunden gehört, glaubwürdige Übergangspläne zu erstellen und umzusetzen.“ Und “Wir haben deutlich gemacht, dass wir Energieunternehmen finanzieren werden, die eine aktive Rolle bei der Umstellung auf eine Netto-Nullenergie-Zukunft übernehmen, und wir bleiben diesem Ziel angesichts der doppelten Herausforderung, den Klimawandel und eine akute Energiekrise in Europa zu bewältigen, verpflichtet.“

Sustainability-linked loans

Zuerst war der Kredit als Sustainability-Linked Loan (SLL) strukturiert. Das bedeutet, dass sich RWE, um den Kredit zu erhalten, verpflichtete, seine Emissionen pro erzeugter Stromeinheit über alle Energiequellen hinweg zu senken. Doch, wie das Bureau erklärt, bedeutet das “dass das Unternehmen seine Emissionen aus der Kohleverstromung – und seine Treibhausgasemissionen insgesamt – sogar noch steigern könnte, solange es genügend Wind- und Sonnenenergie in den Mix einbringt.” Zudem hat sich RWE verpflichtet mehr in erneuerbare Energien zu investieren und den Anteil an erneuerbaren Energie im Energiemix zu erhöhen.

Doch was passiert, wenn RWE die Auflagen des Sustainability-Linked Loans nicht einhält? Der Kredit Zins wird steigen — um unter 0,03 Prozentpunkte. “Das wären 86.700 Dollar pro Jahr” rechnet das Bureau “für ein Unternehmen, das zuletzt einen Jahresumsatz von 26 Mrd. Dollar hatte.”

Das Ziel von Sustainability-Linked Loans ist es, schmutzige Firmen dazu zu ermutigen, auf umweltfreundlichere Verfahren umzustellen. Laut LSTA haben sie das Ziel, “ökologisch und sozial nachhaltige Wirtschaftstätigkeit und nachhaltiges Wachstum zu erleichtern und zu unterstützen”

Doch kann eine so kleine Strafe einen angemessenen Anreiz bieten? Tariq Fancy, der ehemalige Chief Investment Officer für nachhaltige Investitionen bei BlackRock und Autor des “Secret Diary of a ‘Sustainable Investor’”, meint nein. Er erklärt: ““Denn das einzige, was das Verhalten auf den Finanzmärkten wirklich ändert, ist die Veränderung der Anreize. Und man kann die Anreize nicht mit etwas so Geringfügigem ändern“.

Auch wenn die Ziele Teil des Deals bleiben, hat sich HSBC dafür entschieden, den Kredit nicht als “nachhaltigkeitsbezogen” zu klassifizieren. So zählt es auch nicht in ihr Ziel $1 Billion an “Sustainable Finance” bis 2030 zu schöpfen.

Was ist das eingentlich für Geld, das HSBC an RWE zahlt? Erfahren Sie hier mehr über Geldschöpfung.

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