Was ist Geld, eigentlich?

Geld ist nicht neutral. Und das hat bedeutende Folgen für den Klimaschutz.

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Eine Kaurischnecke. © Camera-Man

Geldtheoretiker konnten sich bis heute nicht einigen, was Geld überhaupt ist. Viele haben bereits versucht, Geld mit einer Definition einzufangen. Einige dieser Definitionsversuche überstrecken sich über ganze Bücher. Doch „trotz [dieser] umfangreichen Literatur über Geld gibt es keine völlig zufriedenstellende Definition“ (Dodd 1994). Geld hat anscheinend die Angewohnheit seine Gestalt zu verändern, sobald jemand es wagt zu behaupten, es in die Enge getrieben zu haben. 

Das hat viele andere dazu bewegt, aufzugeben: Der berühmte Harvard Ökonom Joseph Schumpeter war „nie in der Lage, seine Vorstellungen über Geld zu seiner Zufriedenheit zu klären“ und entschied sich, sein Werk über Geld nicht fertigzustellen. 

Geldtheoretiker konnten sich bis heute nicht einigen, was Geld überhaupt ist

Geld kommt in vielen Gestalten

Klar ist, dass die Gestalt des Geldes nicht ausschlaggebend ist (Ingham 2004). Über die Jahrtausende ist uns Geld in vielen verschiedenen Gestalten begegnet. Ob als Gold oder Silber, als Schnecke („cowrie“) oder Kuh. 

Heute denken wir wohl als erstes an Geld in der Gestalt von Bargeld. Doch die Münzen und Papiere in unserem Geldbeutel machen nur knapp 5 % der heutigen Geldmenge aus. 

Geld muss nicht physisch existieren. Der größte Teil des heutigen Geldes existiert nur noch als Bits und Bytes, als 1en und 0en auf den Computern unserer Banken. 

Der größte Teil des heutigen Geldes existiert nur noch als Bits und Bytes.

Alle Disziplinen sind sich einig, dass die Form, in der wir Geld begegnen, nicht wichtig ist. Alle, auch die Ökonomen, sind sich einig, dass Geld auf Vertrauen basiert — auf Vertrauen in die Institutionen dahinter, also die Institutionen, die das Geld verbreiten. 

Geld wird nur akzeptiert, wenn alle darauf vertrauen können, dass es seinen Wert behält.

Bundesbank

Solange Vertrauen vorhanden ist, kann alles Geld sein. Deshalb konzentrieren sich die Ökonomen auf die Funktionen des Geldes, um zu analysieren, welche Formen am effizientesten unser Wirtschaften unterstützen.

Für Ökonomen: Geld über seine Funktionen definieren?

Für Ökonomen hatte Geld nie eine besondere Stellung. Es kann wie alle anderen Waren verstanden werden. So ist es möglich, dass alle ökonomischen Denkschulen Geld durch ihre Funktionen definieren, was es tut — nicht was es ist

Für Ökonomen ist alles Geld, was die Geldfunktionen erfüllt, unabhängig von der Form des Geldes. Die Bundesbank schreibt: „Entscheidend ist nicht, welches Material oder welche Form Geld hat. Entscheidend ist, dass es allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Geld muss drei Funktionen erfüllen: Die Tauschmittelfunktion, die Funktion als Recheneinheit und die Funktion als Wertspeicher.“ 

Geld muss drei Funktionen erfüllen: Die Tauschmittelfunktion, die Funktion als Recheneinheit und die Funktion als Wertspeicher.

Deutsche Bundesbank

Für Wirtschaftswissenschaftler dient Geld als erstens als Recheneinheit (unit of account): Geld macht alle Waren durch Preise miteinander vergleichbar. Dafür muss Geld genügend teilbar sein. Zweitens dient es als Wertaufbewahrungsmittel (store of value), damit sich Menschen in der Zukunft ihre Wünsche erfüllen können. Dafür muss das Geld „haltbar“ und „wertbeständig“ sein. Drittens, dient Geld als Tauschmittel (means of exchange): Geld erleichtert den Austausch von Waren untereinander. 

Geld durch seine Funktionen zu definieren, ist unzureichend, finden Soziologen, Anthropologen und Rechtstheoretiker: Die Funktionen berücksichtigen nicht den Anspruch auf Ressourcen, den Geld ausspricht und die rechtlichen Institutionen, die über die Funktionsweise des Geldes entscheiden und Geld zu etwas machen, das nicht als etwas Neutrales betrachtet werden kann.

Außerdem verzerre diese Art der Definition von Geld die Definition zum Vorteil von „modernen Geld“, da nur unser heutiges Geld „a priori … alle wirtschaftlichen Funktionen erfüllt“ (Dodd 1994) Vormodernes Geld erfüllte in der Regel weniger Funktionen als modernes Geld. Beispielsweise waren Steine zu schwer, um als Tauschmittel zu dienen, und Nahrungsmittel waren schlechte Wertaufbewahrungsplätze, obwohl beide Geldfunktionen in der Vergangenheit erfüllten. 

Es ist nicht schwer vorstellbar, dass innerhalb desselben Netzes verschiedene Geldinstrumente entwickelt werden, die sich auf bestimmte Funktionen spezialisieren, ohne sie alle zu erfüllen. „Die Vorstellung, dass modernes Geld universell einsetzbar ist und alle Geldfunktionen erfüllen kann, ist schlichtweg falsch. Es gibt keine Form von Geld, die alle diese Funktionen gleichzeitig erfüllt.“ Zum Beispiel dienen Cheques, Kreditkarten und Bankwechsel nur als Zahlungsmittel und Bargeld wird heute von den wenigsten Menschen noch unter dem Kissen als Wertaufbewahrungsmittel verwendet.

Es gibt keine Form von Geld, die alle diese Funktionen gleichzeitig erfüllt

Nigel Dodd

Heute argumentieren deshalb die meisten außerhalb der Ökonomie, dass Geld als Recheneinheit (und nicht als Wertaufbewahrungsmittel oder Tauschmittel) entstanden ist (siehe z. B. Di Muzio, Robbins 2017). Der Staat bestimmt durch seine Steuern die Recheneinheit (das Zahlungsmittel) und sorgt damit dafür, dass andere das Zahlungsmittel im Tausch überhaupt akzeptieren. Geld als Tauschmittel wandelt sich (Kreditkarten, Gesprächsminuten auf dem Handy, Bargeld) und steht oft im Konflikt mit Geld als Wertaufbewahrungsmittel. Wie diese Funktionen balanciert werden, ändert sich über Zeit, Menschen und Orte hinweg. 

Geld als Ware? Die „Warentheorie des Geldes“

Orthodoxe Ökonomen vertraten seit dem 19. Jahrhundert eine „commodity theory of money“. Für sie war die Funktion als Tauschmittel die wichtigste Funktion, der sich alle anderen unterzuordnen hatten. Die liquideste Ware in der Wirtschaft wurde spontan zu Geld (wie Zigaretten in Gefängnissen) und verwendet, um den Tauschhandel effizienter zu machen. Da Geld gegen alles andere getauscht werden konnte, wurde Geld v.a. als Tauschmittel gesehen. Deshalb sahen sie auch keine direkte Verbindung zwischen Geld und Kredit. Sie unterschieden Geld („money proper“) von Kredit und verschlossen deshalb jahrelang ihre Augen vor dem Kredit-Geld, das von Banken geschöpft wurde. Auch die Theorien nach Mitte des 20. Jahrhunderts basierten noch auf einer Vorstellung von metallischem Geld, das von einer zentralen Institution (ehemals die „mint“) geschöpft wurde.

Geld ist also immer etwas, das zwischen einer Ware und einem Schuldtitel schwebt

David Graeber

Für den Soziologen Geoffrey Ingham, der an der Fakultät für Ökonomie in Cambridge forschte, ist es eine andere Funktion, die Etwas zu Geld macht: „Money of Account“ (Zahlungsmittel) nennt er die Funktion des Geldes als Skala zur Bemessung von „Wert“. Aus dieser Urfunktion folgen alle anderen Geldfunktionen, die den Ökonomen wichtig sind. Für ihn ist klar, dass kein „einheitlicher Wertmaßstab des Tauschmittels“ entstehen kann, bevor ein abstraktes Zahlungsmittel („money of account“) von einer „Autorität“ festgelegt wurde. Ingham weist darauf hin, dass die Reihenfolge oft verdreht wird: „Nachdem die „Geldhaftigkeit“ durch das Zahlungsmittel („money of account“) durch den Emittenten festgelegt und in einer bestimmten Form (Metall, Papier, elektronischer Impuls usw.) verkörpert wurde, nimmt es erst dann den Status einer Ware an, die z. B. auf den Devisenmärkten gekauft und verkauft werden kann. Mit anderen Worten: Nachdem Geld produziert wurde, kann die volkswirtschaftliche Analyse angewendet werden, aber es ist wichtig zu verstehen, dass sie nicht die Existenz des Geldes erklären kann.“ 

Für Anthropologen, die sich mit Geld beschäftigen, wie Keith Hart und David Graeber ist Geld sowohl Waren- also auch Kredit-Geld. Sie unterscheiden zwischen Innen und Außen: „Innen“ handeln Nachbarn. Sie alle kennen und vertrauen einander und akzeptieren Kredit in jeder Form (z. B. Casino-Pokerchips im 19. Jahrhundert in China). Im Vergleich dazu kann der Handel mit Außenstehenden (Fremden) oder große Transaktionen oft nicht auf Vertrauen aufbauen. Hier erwarten die Menschen, dass sie etwas erhalten, das alle anderen ebenfalls als Bezahlung von ihnen akzeptieren (oft auch diejenigen, die sich auf der anderen Seite des Globus befinden, daher die Liebe zu Silber und Gold). Weit verbreitet waren Gold und Silber. In Mesoamerika wurde dafür Kakao verwendet (siehe Millon 1955).

Geld als Schulden? Die „Kredittheorie des Geldes“

Die Geldfunktionen als unzureichend abgestempelt, stimmen mittlerweile „alle außer die Ökonomen aus der neoklassischen Traditionen“ überein, dass Geld das soziale Band ist, das zwischen Kredit und Schuld gespannt ist — „zwischen dem Staat, seinen Bürgern und seinen Banken“ (Ryan-Collins et al. 2012). 

Geld ist ein Zahlungsversprechen („promise to pay“). „Ohne die gleichzeitige Anwesenheit einer Schuld, die es begleichen kann, kann Geld nicht existieren.“ Schuldscheine sind private Verträge, die auf persönlichen Vertrauen und Zuverlässigkeit beruhen. Doch Geld ist mehr als ein Schuldschein (IOU), weil es von allen akzeptiert wird — diese Akzeptanz garantiert der Staat. Zu Geld wird es erst, wenn aus der Schuld eine übertragbare Schuld wird, die in einem allgemeinen Zahlungsmittel („money of account“) angegeben wird. 

Geld durch Autorität? Die „Staatliche Theorie des Geldes“

„Es ist der „Staat oder die Gemeinschaft“, nicht der Markt, der das Zahlungsmittel („money of account“) festlegt und erklärt, welche Sache („money-proper“) der Bezeichnung entspricht.“ 

J. M. Keynes (1930: 4), paraphrasiert in Ingham (2004)

Diese übertragbare Schuld, also Geld, kann nicht aus einem „Schwein-Schuldschein“ entstehen, den Sie mir geben, wenn Sie gerade kein Schwein haben, das Sie mir im Tausch gegen meine zehn Hühner geben können. Vielmehr muss Geld zuerst herausgegeben („emittiert“) werden. Es entsteht eine übertragbare Schuld durch die Übereinkunft zwischen dem Geldherausgeber (Emittenten) und den Geldnutzern: Das „Geld“, das der Staat beim Kauf von Waren und Dienstleistungen ausgibt, ist ein Versprechen, es zur Zahlung von Steuern zu akzeptieren und die Banknoten, die eine vom Staat lizenzierte Bank in dem Rechengeld des Staats vergibt, verspricht sie auch wieder anzunehmen, wenn der Schuldner damit seinen Kredit tilgen möchte. 

Ryan-Collins et al. der New Economics Foundation erklären den Lesern in ihrem Buch Where does money come from?: „Ihr Geld ist kein Zentralbankgeld. Es ist auch nicht Pfund für Pfund durch Zentralbankgeld gedeckt. Ihr Geld ist ein „Zahlungsversprechen“ einer Geschäftsbank“. 

„Alles Geld ist eine Schuld, insofern als die Emittenten versprechen, ihr eigenes Geld für jede Schuldzahlung durch einen beliebigen Besitzer des Geldes zu akzeptieren.“

Ingham

Zu jeder Zeit: verschiedene Formen von Geld

Überall und im Laufe der Geschichte finden wir in der Regel eine Mischung aus verschiedenen Arten von Geld. Einige entstanden aus dem Austausch mit Fremden, andere aus Diskussionen darüber, wie man Schulden begleichen (Kredit-Theorie des Geldes) und Steuern zahlen kann (Staats-Theorie des Geldes, „Chartalismus“). 

Was zur jeweiligen Zeit als Geld akzeptiert wurde, verrät uns häufig etwas über die politischen Machtverhältnisse in einer Region zu einer gegebenen Zeit. Frei Bauern aus Pommern hatten beispielsweise eine gewisse Zeit lang im Mittelalter genug Einfluss, dass sie ihre Herrscher davon überzeugen konnten, Steuern in Form von Agrarerzeugnissen, wie Eiern oder Käse zu akzeptieren – zum Nachteil von reisenden Kaufleuten (Einzig 1949: 266). 

Heute bestimmt meist der Staat, was Geld ist und wie viel es wert ist, indem er es als gesetzliches Zahlungsmittel (legal tender) festlegt. Das Gesetz über die Deutsche Bundesbank sagt beispielsweise in para 14(1): „Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel.“ 

Was als Geld akzeptiert wird, erzählt viel über die politischen Machtverhältnisse zu einer Zeit an einem Ort.

Geld als abstrakter Anspruch auf Ressourcen 

Geld ist ein abstrakter Anspruch auf Ressourcen

Gleichzeitig sollte die Charakterisierung von Geld als soziale Institution nicht verschleiern, dass Geld nicht nur unsere sozialen Beziehungen organisiert, sondern vor allem dazu dient, unsere Interaktion mit der Natur zu verwalten. 

Diese Beziehung hat auch die Rechtshistorikern Christine Desan aus Harvard während ihrer Forschungen zur Entwicklung des Geldes in England erkannt. Sie schreibt: „Geld ist ein Mittel zur Mobilisierung von Ressourcen… Es definiert Autorität und verteilt Material, während es arbeitet.“ „

Geld wird von einer Gruppe erfunden, um Ressourcen zu messen, zu sammeln und umzuverteilen. Bei der Gemeinschaft kann es sich um einen Staat handeln, aber auch um ein Kollektiv, das auf der Grundlage von Loyalität, Religion oder Affinität organisiert ist und dem die Menschen immer wieder ihre Arbeitskraft und Ressourcen zur Verfügung stellen.“

„Geld wird von einer Gruppe erfunden, um Ressourcen zu messen, zu sammeln und umzuverteilen.“ 

Desan (2014)

Dem Inhaber des Geldes werden Ressourcen geschuldet – so werden im Laufe der Geldschöpfung auch immer Schulden geschaffen. Deshalb sollte Geld nicht „als ein bestimmtes Ding“ wie Gold betrachtet werden, sondern als ein „abstrakter Anspruch auf die Gesellschaft und die Ressourcen, der in einer Recheneinheit [wie Liter] gemessen und oft durch ‚Dinge‘ wie Geldscheine und Münzen repräsentiert wird“, betonen die Anthropologen Di Muzio und Robbins. 

Macht Geld alles mit allem vergleichbar?

Wenn man die organisierende Aufgabe von Geld in der Interaktionen zwischen Natur und Mensch erkennt, dann wird eine weitere Eigenschaft des Geldes signifikant: Geld quantifiziert alles – Geld versucht auch Qualität zu quantifizieren. 

Für den Anthropologen Hornborg ist das, was wir heute unter Geld verstehen („general-purpose money“) die Idee „dass alles gegen alles andere getauscht werden kann.“ Erst im 19. Jahrhundert wurde es allgemein möglich, dass jemand Geld gegen Land und Arbeit in der Ferne tauschte. Es begann ein globaler asymmetrischer Austausch, der durch Geld verdeckt wurde: England konnte mit seinem Geld Land und Arbeit auf der ganzen Welt erkaufen – unter dem Deckmantel der Neutralität: Denn das Geld schien Reziprozität und Fairness zu fördern.

Die Konsequenz: Geld ist nicht neutral 

Die meisten Bücher zur Geldwirtschaft beschreiben immer noch die Idee, dass Geld ein neutraler Schleier ist, der sich lediglich über den Tauschhandel legt, um dessen ineffiziente Ketten zu ölen. Schumpeter beschrieb diese Idee: „Solange [Geld] normal funktioniert, beeinträchtigt es ökonomische Prozesse nicht. Diese laufen genauso ab, wie sie in einer Tauschwirtschaft ablaufen würden: Das impliziert jedenfalls der Begriff des neutralen Geldes“ (Schumpeter 1954). Die Neutralität des Geldes machte es zu einer „vernachlässigbare[n] Größe“ (Wullweber 2021). 

Als soziales Konstrukt, das einen „abstrakten, unpersönlichen Anspruch auf zukünftige Ressourcen“ ausdrückt, ist Geld jedoch kein neutraler Schleier über die eigentlichen Wirtschaftstätigkeiten. 

Geld entscheidet über die Hierarchie (zwischen Kreditoren und Schuldnern) und Ressourcenverwendung in unserer Gesellschaft. Geld erzeugt bestimmte soziale Verhaltensweisen (Maurer 2015, Sandel 2012, Lietaer und Dunne 2012). 

Geld entscheidet über die Hierarchie und Ressourcenverwendung in unserer Gesellschaft.

Auch wenn Geld nur als „abstrakte Menge“ verstanden wird, bedeutet es je nach Geldmenge „unterschiedliche Dinge für unterschiedliche Menschen“ (Hornborg 2016).

Minimale Eigenschaften von Geld

Geld hat also ein paar entscheidende Eigenschaften:

  1. Recheneinheit: Geld ist die Recheneinheit, mit der wir Dinge miteinander vergleichbar machen, den meist der Staat durch seine Autorität aufrecht hält („Geld ist ein abstraktes Maß für den Wert“)
  2. Anspruch: Geld gibt einen Anspruch (oder Kredit) auf Waren. Wir vertrauen darauf, dass es auch morgen noch für andere Geld ist. So können wir unseren Anspruch auf Ressourcen bis in die Zukunft und über die Grenzen unserer Währung hinweg transportieren. 
  3. Autorität: Etwas kann nur durch eine Autorität, wie den Staat, zu Geld werden. Ingham schreibt: „Nur eine Instanz kann die Anarchie des Tauschhandels überwinden und ein einheitliches Zahlungsmittel als Wertmaßstab vorschreiben.“
  4. Neutralität: Geld ist nicht neutral. Es reflektiert den politischen Kampf zwischen verschiedenen wirtschaftlichen Interessen. Und „ohne einen solchen Kampf besitzt Geld keinen Wert“ (Ingham 2004)

Diese Eigenschaften haben die Folge, dass wir Geld verwenden, um unsere sozialen und Umweltbeziehungen zu organisieren. Das Problem dabei: Dem Besitz von Geld sind keine Grenzen gesetzt, physischen Besitz hingegen schon. Bereits die Römer haben bemerkt: Je mehr physischen Besitz jemand anhäuft, desto schwerer wird es, seinen Besitz zu manifestieren. Geld kennt dieses Problem nicht. 

Geld neu denken ist möglich 

Hornborg ist sich sicher: „Die politischen Ideale der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Resilienz werden nur dann realisierbar sein, wenn das Geld neu gestaltet wird.“ Er lehnt Geld nicht ab, sondern nur das Geld in seiner heutigen Form — das sogenannte Allzweckgeld, das alles gegen alles andere austauschbar macht, das es also möglich macht einen Regenwald gegen Aktien zu tauschen. 

Unsere Geschichten über Geld haben die Tendenz, historisch und kulturell spezifische Beispiele zu mehr als nur Beispiele aufsteigen zu lassen und „ihnen eine ungerechtfertigte Natürlichkeit und Unvermeidbarkeit zuzuschreiben“ Es ist jedoch Zeit aufzuhören, Zufälligkeit mit Notwendigkeit zu verwechseln, mahnt Dodd. Unsere Suche nach einer Definition hat gezeigt, dass Geld nichts weiter als eine zufällig historisch entstandene soziale Konvention und ein rechtliches Konstrukt ist, das auch wieder eine andere Gestalt annehmen kann. 

Hornborg schöpft aus dieser Erkenntnis Hoffnung: „Es liegt etwas zutiefst Emanzipierendes in der Einsicht, dass Geld letztlich eine Idee ist und seine gegenwärtige Form lediglich eine Konvention, die prinzipiell umgestaltet werden könnte“

„Die politischen Ideale der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Resilienz werden nur dann realisierbar sein, wenn das Geld neu gestaltet wird“

Alf Hornborg

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