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Münchens Fortschritte zur Klimaneutralität

München hat einen Plan, um die Klimaneutralität zu erreichen. Können andere von der Stadt lernen?

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München hat 2019 den Klimanotstand ausgerufen, wahrscheinlich um seine Jugendlichen zu beruhigen, die Freitags nicht mehr in die Schule gehen wollten, um stattdessen ein bisschen zu streiken und ein bisschen Party an der Isar zu machen. Darauf folgte das ambitionierte Ziel, München bis 2035 klimaneutral zu machen. Im November 2021 wurde dem Stadtrat ein Fachgutachten vorgelegt werden, das behauptet, es weiß, wie München das schaffen kann. Dieses Gutachten wurde von dem Öko-Institut e.V., dem Hamburg-Institut und Intraplan unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft erarbeitet. Als Mitglied der Zivilgesellschaft habe ich versucht mich einzubringen. Aber leider war im Sommer 2021 die Seite nicht mehr öffentlich zugänglich. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich nur, dass die Signifikanz von der zweiten Bürgermeisterin Katrin Habenschaden und der Referentin für Klima und Umweltschutz, Christine Kugler, ausdrücklich betont wird.

Das Öko-Institut e.V., zusammen mit dem Hamburg Institut, Intraplan und der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FfE) hielt Wort und legte im November zwei Studien München vor die der Stadt erklären sollen, wie sie ihr sorglos verkündetes Ziel erreichen soll. Sie haben der Stadt dabei einen überschaubaren Sammelband vorgelegt, der die nur 250 Maßnahmen auflistet, die die Stadt ergreifen muss, um klimaneutral zu werden. Dank der Hilfe von norddeutschen Experten unter Einbeziehung einer Zivilgesellschaft weiß die Stadt jetzt also genau wo sie starten muss!

Das Experten-Gutachten macht deutlich, wer die Hauptrollen bekommen hat. Gebäudewärme, Mobilität und Strombedarf stehen im Mittelpunkt. Den Gebäuden wurde sogar eigens eine Studie gewidmet, die im Auftrag der Stadtwerke München erstellt wurde. „Klimaneutrale Wärme München 2035“, die das ehrgeizige Ziel vorlegt, den CO2 Ausstoß im Wärmesektor abseits der Abfallverbrennungsanlagen auf fast Null zu reduzieren. Die Studie möchte, dass München auf klimaneutrale Fernwärme ohne fossile Brennstoffe durch Geothermie und erneuerbare Energien umstellt und jedes Jahr 2% aller Gebäude in München saniert, um sie mit einer „schnellere(n) und bessere(n) Wärmedämmung“ auszustatten. Das sollte laut Gutachten von den Mietern begrüßt werden. Denn sie werden dadurch von steigenden Heizpreisen unberührt bleiben.

Auch die Dekarbonisierung der Mobilität erfordert entschlossenes Durchgreifen. Es sieht Maßnahmen vor zur (1) „Vermeidung von Vehrkehr“, (2) „Verlagerung auf klimafreundlichere Verkehrsmittel“ und (3) „weniger klimaschädliche Abwicklung des verbleibenen Verkehrs“. Wie engagiert sich die Stadt bereits jetzt dafür einsetzt zeigen jüngst zwei Beispiele aus diesem Jahr: Erfolgsverwöhnt gelang es München erneut, den Titel „Stauhauptstadt Deutschlands“ zu ergattern und unser Klimabürgermeister erkannte die wichtige Rolle des Fahrradfahrens zum Klimaschutz an, als er verkündete, dass Fahrradfahrer nun wirklich nicht noch mehr fordern könnten, sie hätten schon mehr als genug. Wenn das so weiter geht, behindern sie bald den Autofahrer in einer völlig anmaßenden Weise. Die Bürger Münchens brauchen sich also nicht aufzuregen. Es wird auf „attraktive und bequeme Alternativen“ gesetzt und nicht auf „Einschränkungen“. Mit attraktiven und bequemen Alternativen kann ich mich anfreunden, denkt sich der Münchner sicher, als er die dritte U-Bahn wegen Überfüllung an sich vorbeifahren lässt und auf der Leinwand vor ihm Werbung für die „Zweite Stammstrecke 2047“ sieht.

Was für eine unbeirrbare Tatkraft die Gutachter in der Landeshauptstadt München sehen wird deutlich, wenn man den Plan für die klimaneutrale Stromversorgung betrachtet. Photovoltaik soll von ca. 75 MW auf 800 MW innerhalb der Stadt ausgebaut werden, zusätzlich zu Investitionen außerhalb der Stadt und der Erschließung einer neuen Stromquelle aus den Abfällen aus unserer Küche und Toilette.

Doch die Stadt kann natürlich nicht einfach losmarschieren. Der Freistaat Bayern und der Bund muss der Stadt München finanziell und rechtlich helfen, oder sie zumindest nicht blockieren. München braucht Geld und bestimmte Gesetze auf Bundes- und Landesebene. Ob das gelingt? Vielleicht dient diese Abhängigkeit am Ende als schöne Ausrede, die einleuchtend erklärt, warum die Stadt ihr ehrgeiziges Ziel verfehlt hat.

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