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Ist Klimaanpassung finanziell unattraktiv?

Wer bezahlt Maßnahmen zu Klimaanpassung in den Ländern, die am härtesten vom Klimawandel getroffen werden?

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Wer bezahlt Maßnahmen zu Klimaanpassung in den Ländern, die am härtesten vom Klimawandel getroffen werden? Afrikanische Länder geben schon mehr als ihren „gerechten Anteil“ für die Klimaanpassung aus. Eine Studie des Internationalen Instituts für Umwelt und Entwicklung (IIED) aus 2016 weist darauf hin, dass die 46 LDCs, zu denen auch Sierra Leone gehört, nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um sich „klimasicher“ zu machen. Um sich auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten bräuchten sie zusammen pro Jahr mehr als $40 Milliarden allein für die Klimaanpassung. Bis 2018 sind jedoch erst knapp $6 Milliarden an primärer Klimaanpassungsfinanzierung bei ihnen angekommen. Wenn man Entwicklungshilfen mit einrechnet, können sie für die Klimaanpassung bis zu weiteren $29 Milliarden erhalten haben. Aber auch diese Summe hinterlässt immer noch ein Loch von $165 Milliarden.

Nach Verhandlungen haben die Entwicklungsländer bei der Klimakonferenz 2021 in Glasgow (COP26) einen Sieg errungen, als der „Glasgow-Klimapakt“ die Industrieländer aufforderte, bis 2025 ihre kollektive Bereitstellung von Finanzmitteln zur Anpassung an den Klimawandel gegenüber 2019 mindestens zu verdoppeln, also $40 Milliarden bereitzustellen. Außerdem gab es während COP26 eine Welle an Finanzierungszusagen aus Industrienationen, die zusammen $356 Millionen für den Klimaadaptionsfonds zusagten, der keine Rückzahlung von Entwicklungsländern fordert. Doch diese Summe ist nach wie vor unzureichend. Der 2020 UNEP Adaptation Gap Report geht davon aus, dass die jährlichen Kosten für die Klimaanpassung in Entwicklungsländern bis 2030 auf $140-300 Milliarden und bis 2050 auf rund $280-500 Milliarden klettern werden und stellt deshalb fest: „Obwohl immer mehr Mittel für die Anpassung zur Verfügung stehen, schließt sich die Finanzierungslücke bei der Anpassung nicht.“ Diese Aussage scheint auch nach Glasgow noch wahr zu sein. 

In den Gesprächen bei der Klimakonferenz in Glasgow 2021 (COP26) wurde die Resilienz von Städten im globalen Süden kaum diskutiert. Warum wurde so viel über Emissionsminderungen und so wenig über Resilienz geredet? Debra Roberts, Verhandlungsführerin für die südafrikanische Delegation bei der Klimakonferenz, IPCC-Autorin und seit Jahren in der Politik in Durban aktiv, erklärt, dass sich die Mitigationsagenda leichter vermarkten lässt. Viele der Maßnahmen zur Emissionsminderung werfen finanzielle Gewinne ab. Klimaanpassung ist weniger profitabel. Hier ginge es in der Regel um Allgemeinwohl — das ist normalerweise nicht mit Gewinnen verbunden. 

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