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Geld durch Autorität?

Was können wir aus der „Staatlichen Theorie des Geldes" lernen?

2 min zum lesen
Credits: The New York Public Library

Geld ist ein Zahlungsversprechen („promise to pay“). „Ohne die gleichzeitige Anwesenheit einer Schuld, die es begleichen kann, kann Geld nicht existieren.“ Schuldscheine sind private Verträge, die auf persönlichen Vertrauen und Zuverlässigkeit beruhen. Doch Geld ist mehr als ein Schuldschein (IOU), weil es von allen akzeptiert wird — diese Akzeptanz garantiert der Staat. Zu Geld wird es erst, wenn aus der Schuld eine übertragbare Schuld wird, die in einem allgemeinen Zahlungsmittel („money of account“) angegeben wird. 

Die „Staatliche Theorie des Geldes“

„Es ist der „Staat oder die Gemeinschaft“, nicht der Markt, der das Zahlungsmittel („money of account“) festlegt und erklärt, welche Sache („money-proper“) der Bezeichnung entspricht.“ 

J. M. Keynes (1930: 4), paraphrasiert in Ingham (2004)

Diese übertragbare Schuld, also Geld, kann nicht aus einem „Schwein-Schuldschein“ entstehen, den Sie mir geben, wenn Sie gerade kein Schwein haben, das Sie mir im Tausch gegen meine zehn Hühner geben können. Vielmehr muss Geld zuerst herausgegeben („emittiert“) werden. Es entsteht eine übertragbare Schuld durch die Übereinkunft zwischen dem Geldherausgeber (Emittenten) und den Geldnutzern: Das „Geld“, das der Staat beim Kauf von Waren und Dienstleistungen ausgibt, ist ein Versprechen, es zur Zahlung von Steuern zu akzeptieren und die Banknoten, die eine vom Staat lizenzierte Bank in dem Rechengeld des Staats vergibt, verspricht sie auch wieder anzunehmen, wenn der Schuldner damit seinen Kredit tilgen möchte. 

Ryan-Collins et al. der New Economics Foundation erklären den Lesern in ihrem Buch Where does money come from? „Ihr Geld ist kein Zentralbankgeld. Es ist auch nicht Pfund für Pfund durch Zentralbankgeld gedeckt. Ihr Geld ist ein „Zahlungsversprechen“ einer Geschäftsbank“. 

„Alles Geld ist eine Schuld, insofern als die Emittenten versprechen, ihr eigenes Geld für jede Schuldzahlung durch einen beliebigen Besitzer des Geldes zu akzeptieren.“

Ingham

Die Staatliche Akzeptanz entscheidet, was Zahlungsmittel wird

Banknoten zeigen uns, dass Geld nicht vom Staat emittiert (herausgegeben) werden muss, um Teil des nationalen Geldsystems zu werden. Banken wurde nach einem politischen Kampf erlaubt, Geld zu schöpfen, das vom Staat angenommen wird. Seit der Gründung der Bank of England 1694 lizenziert der Staat Geschäftsbanken, dass sie Geld in der herrschenden Rechnungseinheit durch das Vergeben von Krediten schöpfen dürfen.

„Besiegelung der Charta der Bank of England (1694)“ von Lady Jane Lindsay, 1905.

Privates Kredit-Geld der Banken hatte Wert, weil es benutzt werden konnte, um Schulden mit den Banken zu begleichen (Minsky). Die Bankkredite wurden zu Geld, als der Staat beschloss, sie zum Begleichen von Steuern anzunehmen und sie damit auf die Stufe eines allgemein willkommenen Zahlungsmittel zu erheben. Wieder ist es die Annahme durch den Staat, die die Banknoten zu einer Geldform verwandelten. 

„Gutschriften und Wechsel, die von den Banken ausgestellt werden und auf das Zahlungsmittel des Staates lauten, werden daher zu „Geld“…, wenn sie zur Begleichung von Steuerschulden gegenüber dem Staat akzeptiert und zur Bezahlung der Gläubiger des Staates wieder ausgehändigt werden.“

Ingham (2004: 48)

Ähnlich funktionierte die Verbreitung von zerbrochenen Stöcken („tally sticks“) im Mittelalter in England, die der Staat seinen Gläubigern als Anerkennung seiner Verschuldung gab und später auch zur Begleichung von Steuern wieder zurücknahm (Innes 1913). Münzen waren damals zwar „zweifellos wohlbekannt, aber wenig genutzt.“ 

Mittelalterliche „Tally Sticks“ aus England. © Winchester City Council Museums

Knapp und Keynes verstanden, warum vermeintlich wertlose Objekte, wie die Baumwolle, aus der unsere Euroscheine gemacht werden, zu Geld werden können: „Von Mesopotamien und Ägypten bis zu den modernen Volkswirtschaften haben Herrscher, Statthalter und Nationalstaaten immer ‚das Wörterbuch geschrieben‘.“ Die Autorität wählt „das Zahlungsmittel aus und erklärt, welches ‚Ding‘ als Geld gilt.“ (Tcherneva 2006: 72)

„Jeder, der Verpflichtungen gegenüber dem Staat hat, wird bereit sein, Papierstückchen zu akzeptieren, mit denen er die Verpflichtungen begleichen kann – ebenso wie alle anderen Menschen bereit sein werden, diese Papierstückchen zu akzeptieren, weil sie wissen, dass alle Steuerpflichtigen sie wiederum akzeptieren werden.“

Lerner (1947: 313)

Die Entstehungsgeschichte zeigt, dass es nicht wichtig ist, aus welchem „Ding“ (Keynes) das Zahlungsmittel beschaffen ist, solange einige

Erfahren Sie hier noch mehr darüber, was Geld ist.

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