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Fünf Thesen zu einer moralischen Ökonomie des Geldes

Nach dem vorherrschenden Verständnis ist Geld vor allem eine sehr individualistische Sache. Doch wenn wir es als öffentliche Infrastruktur verstehen, bekommen wir auch ein anderes Bild von uns Menschen und unserem Zusammenleben. Ein Beitrag von Jakob Feinig.

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© Geronimo Giqueaux via Unsplash

Wenn ich mich mit Leuten außerhalb eines kleinen Kreises von Interessierten über mein Forschungsthema unterhalte, lese ich oft folgendes von ihren Gesichtern ab: Dieser Typ wirkt eigentlich progressiv, warum nur interessiert er sich beruflich für Geld? Viele Leute denken, eine berufliche Beschäftigung mit Geld ist ausschließlich für die, die in hektischen Büros an der Wall Street, der City of London oder in Frankfurt am Main arbeiten. Die meisten Leute erwarten, dass ein kritischer Soziologe sich für Gerechtigkeit interessiert, für Kultur und Beziehungen, Unterdrückung und Befreiung. Geld, so scheint es, spielt da keine grosse Rolle. Wenn, dann als Spielverderber: Geld ist die Wurzel des Bösen, und berufliches Interesse daran riecht nach Privilegien und falschen Prioritäten.

Dieses für mich alltägliche Dilemma ist nicht deshalb erwähnenswert, weil es ein großes Problem ist. Es ist jedoch aufschlussreich: Die Tatsache, dass viele Leute es merkwürdig finden, dass ich mich mit Geld beschäftige, hat mit einem verbreiteten individualistischen Geldverständnis zu tun.

Geld ist ein Ort der Subjektbildung, durch den wir uns soziale Ontologien zurechtlegen.

Nach diesem herkömmlichen Geldverständnis ist Geld erstens eine eine Recheneinheit, die wir Individuen benutzen, um Werte zu vergleichen und Schulden zu buchen. Wir benutzen es, um Werte zu quantifizieren und aufzuzeichnen, was wir einander als Individuen schulden. Zweitens ist es ein Zahlungsmittel, das es uns individuell erlaubt, Rechnungen und andere Schulden zu begleichen. Drittens ist Geld ein Wertspeicher, der es uns Individuen erlaubt, mit heute Erspartem später Notwendiges und Angenehmes zu kaufen. Die meisten Leute und die allermeisten AutorInnen von VWL-Lehrbüchern oder auch Kinderbüchern zu diesem Thema denken so. Nach diesem Geldverständnis interessieren sich Leute, die sich auf Geld spezialisieren, für eine sehr individualistische Sache.

Dies führt mich zu meiner ersten These: Unser alltägliches Geldverständnis ist gleichzeitig auch unsere Gesellschaftstheorie. Obwohl es dem Anschein nach nur erklärt, wie Geldscheine, Bankguthaben, und Münzen funktionieren, ermöglicht, reflektiert und verfestigt es ein umfassendes Gesellschafts- und Menschenbild.

Wenn wir nämlich Geld nur als Individuen erleben, können wir uns der Fantasie hingeben, dass wir zuallererst Einzelne sind. Wenn wir Geld als Individuen erleben, sind wir arbeitende, austauschende, und hortende Robinson Crusoe-Leute, die sich dadurch definieren, dass sie für sich selbst arbeiten, auch wenn sie manchmal austauschen wenn sie das für vorteilhaft befinden. Unser Geldverständnis formt unser Selbstverständnis und die Art und Weise, wie wir uns in der Welt verorten. Geld ist ein Ort der Subjektbildung, durch den wir uns soziale Ontologien zurechtlegen.

Das Konzept des Chartalismus

Zweite These: Wenn wir Geld als öffentliche Infrastruktur verstehen, bekommen wir auch ein anderes Bild von uns Menschen und unserem Zusammenleben.

Dieses Geldverständnis ist bekannt als Chartalismus (in der zeitgenössischen ökonomischen, soziologischen und Rechtstheorie auch Neo-Chartalismus oder Modern Monetary Theory). Es beginnt nicht mit individuellen Geldbenutzern, sondern mit Geld als Institution. Geld funktioniert nämlich so: Eine zentrale öffentliche Institution (das kann ein Finanzministerium sein, eine Legislatur oder auch eine Gemeinde oder Universität) schafft Recheneinheiten und gibt ihnen einen Namen („Dollar“, „Peso“ oder „Euro“). Diese Institutionen bestimmen dann, welche physischen oder elektronischen Dinge einer Recheneinheit entsprechen und entscheiden darüber, wer diese Dinge in die Welt rufen darf (oft machen sie das auch selbst). Gleichzeitig bestimmen sie, dass alle oder die meisten BewohnerInnen periodisch dieser Institution etwas schulden, und quantifizieren diese Verpflichtungen mit Hilfe der eben geschaffenen Recheneinheit. Diese Schulden sind gemeinhin als Steuern bekannt. Die Institution proklamiert dann nur noch, dass diese Schulden mit den Geld-Dingen beglichen werden können, die sie entweder direkt geschaffen oder autorisiert hat.

Alle Steuerpflichtigen haben nun ein Interesse daran, diese Rechtsobjekte in dinglicher (Bargeld) oder elektronischer Form (Giralgeld) zu erhalten, um Steuern bezahlen zu können. Deshalb akzeptieren sie diese Dinge auch, wenn die öffentliche Institution etwas von ihnen abkaufen will: Etwa ihre Arbeitskraft, wenn die öffentliche Hand Straßen bauen will, oder Kindern das Lesen und Schreiben beibringen. So wird die Koordination von Gesellschaft möglich: Weil Leute Steuern zahlen müssen, sind sie bereit, Arbeitskraft und Güter zu verkaufen im Austausch gegen die Dinge, die dieselbe öffentliche Hand geschaffen oder autorisiert hat. Und dann beginnen Leute auch, die Geld-Dinge von anderen Privatleuten zu akzeptieren. Diese Dinge, also Bargeld oder Giralgeld, werden Recheneinheit, Zahlungsmittel, und Wertspeicher, weil sie Teil einer öffentlichen Institution sind.

Auf den ersten Blick scheint es sich dabei um eine robuste institutionelle Geldtheorie zu handeln. Jedoch es steckt viel mehr drin: Von dieser Perspektive aus sind wir nicht zuerst austauschende Individuen – Geld mediiert und konstituiert unser Zusammenleben. Wir kennen (mit wenigen möglichen Ausnahmen) keine Gesellschaften, in denen geldloser Tauschhandel das Zusammenleben ermöglichte, und die Archäologie zeigt, dass Geld wahrscheinlich die erste Form von Schrift war.

Wenn wir nicht einmal durch Geld Individuen sein können, ist Interdependenz und Abhängigkeit von anderen nicht mehr negativ besetzt, sondern eine permanente Bedingung menschlichen Lebens

Geld ist dann nicht mehr das Reich des Individualismus und des Egoismus, sondern die zentrale kollektive Institution. Das chartalistische Geldverständnis ist eine befreiende Abhängigkeitserklärung, weil wir uns nicht mehr (nur) als hortende Einzelne sehen, die versuchen, unabhängig zu werden und Geld anzuhäufen. Wenn Geld nicht mehr das Reich der Individuen, sondern das zentrale Terrain der Vergesellschaftung ist, ist auch die Vorstellung, dass wir als hortende Einzelne die selbstverständlichen Grundblöcke der Gesellschaft sind, nicht mehr plausibel. Wenn wir nicht einmal durch Geld Individuen sein können, ist Interdependenz und Abhängigkeit von anderen nicht mehr negativ besetzt, sondern eine permanente Bedingung menschlichen Lebens.

Obwohl Chartalismus und MMT oft als eine rein technische Angelegenheit dargestellt werden, die den Funktionalismus des orthodoxen Geldverständnisses angreift und einen besseren theoretischen Rahmen für policy-making bereitstellt, zeigt das Kollektiv Money on the Left, dass der Chartalismus das Potenzial hat, mit individualistischen Annahmen des Liberalismus zu brechen und eine robustere Grundlage für breite öffentliche Praxis zu schaffen.

Die praktischen Folgen eines anderen Geldverständnisses

Aber haben diese Erkenntnisse auch einen praktischen Nutzen?

Meine Antwort ist: Ja, und der praktische Nutzen könnte gigantisch sein. Er besteht darin, dass wir beginnen können, unsere Handlungsmöglichkeiten anders zu verstehen. So lautet die dritte These: Verschiedene Geldordnungen konstituieren Gesellschaft unterschiedlich.

Wer eine Rechtsordnung entwirft, muss die folgenden zutiefst politischen Fragen beantworten: Wofür wird bei uns Geld geschaffen, und wer soll darüber bestimmen? Wer entscheidet, wofür Geld geschöpft werden kann und soll? Was zählt bei uns derzeit als nützliche (und deshalb bezahlte) Arbeit? (Jedes Mal, wenn öffentliche Institutionen Geld schaffen, bestimmen sie, was bezahlt wird und deshalb als nützlich gilt: Atomwaffenherstellung oder der Bau von Krankenhäusern, zum Beispiel). Heterodoxe ökonomische Theorien und Rechtstheorien nennen die institutionalisierten Antworten auf diese Fragen „monetäres Design“ oder „Geldschöpfungsregime“. Diese Antworten geben der Gesellschaft Form – auch wenn die Fragen im Alltag nicht sichtbar sind, auch wenn die Antworten logisch erscheinen, und auch wenn deren Infragestellung absurd scheint.

Wer das Recht beansprucht, Geld zu schaffen, beansprucht damit auch das Recht, biophysische Ressourcen sowie Energie und Arbeitskräfte zu mobilisieren oder es anderen zu erlauben, dasselbe zu tun. Heutzutage schaffen Banken das meiste Geld. Wir autorisieren diese vom Recht geschaffenen Institutionen derzeit, nach ihren Prioritäten Geld zu schaffen. Und wenn sie Kredite vergeben, tun sie das auf eine Art und Weise, die es ihnen ermöglicht, Profite zu realisieren. Gläubiger sind oft kreditwürdig, eben weil sie schon in einer Position von Macht und Reichtum sind. Oft ist es fragwürdig, ob die Prioritäten von Banken und deren großen Gläubigern mit dem Überleben der Menschheit und sozialer Gerechtigkeit vereinbar sind. Profitorientierte Geldschöpfung durch Banken ist ein junges Phänomen. Es ist eine Antwort auf die zentrale politische Frage: Wer darf bei uns Geld schöpfen, und zu welchem Zweck?

Ich möchte daher eine vierte These vorschlagen: Weil kollektive Beziehungsmuster, Prioritäten, Hierarchien, Ausschließung und Einbindung in Geldschöpfungsregimes eingebaut sind, ist es notwendig, sie umzudenken, um eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft zu schaffen.

Der folgende monetäre Bauplan demonstriert, wie Geld das kollektive Leben neu ordnen könnte, wenn wir das wollen. Die oft debattierte Jobgarantie würde das Recht auf anständig bezahlte und produktive Arbeit gesetzlich verankern und damit ein lang anerkanntes Menschenrecht in die Praxis umsetzen. Staatliche Institutionen würden sich damit verpflichten, nützliche und den Fähigkeiten der Jobsuchenden angepasste Arbeitsstellen zu schaffen. Das Recht auf Arbeit ist ein Menschenrecht, weil Arbeitslosigkeit grausam ist: Die, die es trifft, werden öfter und schneller krank. In einer Gesellschaft, die Menschen nach der Erwerbsarbeit beurteilt und belohnt, sterben Arbeitslose auch öfter und schneller. Arbeitslosigkeit ist nicht nur eine individuelle Katastrophe, sondern trifft auch Familienangehörige und alle anderen, die den direkten Opfern nahe stehen. Grausam ist nicht nur Arbeitslosigkeit selbst, sondern auch die allgegenwärtige Angst davor, vor allem unter Leuten, deren Eltern keine gute Ausbildung bereitstellen konnten, die nichts erben, und die mit rassistisch und sexistisch strukturierten Arbeitsmärkten leben müssen. Durch eine Jobgarantie könnten Betroffene das Recht auf Arbeit einklagen.

Die Jobgarantie ändert den monetären Bauplan der Gesellschaft, und es entsteht ein neuer Status für die, die wir als lohnabhängig sehen

Was hat die Jobgarantie mit Geld zu tun? Auf den ersten Blick mag es so wirken als handele es sich um eine reine Ausweitung des Sozialstaates. Es ist aber mehr, nämlich ein Umbau der Geldordnung. Da eine Jobgarantie öffentlich finanziert wird, könnte sie einen Kanal schaffen, durch den neu geschaffenes Geld immer – garantiert – Arbeitssuchende erreicht. Sie könnte Geldschöpfung an den Arbeitsstellenbedarf koppeln und dadurch garantieren, dass Geld immer für alle Arbeitssuchenden vorhanden ist. Die Jobgarantie wäre also ein Umbau unserer Geldschöpfungseinrichtungen, der Arbeitende priorisiert, und vor allem unterbezahlten und von Arbeitslosigkeit bedrohten Leuten hilft. Das wäre eine monetäre Architektur, die das Menschenrecht auf Arbeit in die Geldschöpfung einbaut, statt es als wünschenswerten Nebeneffekt von gewinnorientierter Investition zu sehen. Die Jobgarantie ändert den monetären Bauplan der Gesellschaft, und es entsteht ein neuer Status für die, die wir als lohnabhängig sehen.

Eine solche monetäre Neuordnung hat auch das Potenzial, sichtbar zu machen, dass das, was wir als „produktive Arbeit“ bezeichnen, offen ist, und dass wir demokratischer bestimmen können, wer welche Arbeit für wen macht.

Ein ökologisches Geldschöpfungssystem

Geldeinrichtungen geben nicht nur der Gesellschaft Form, sondern auch unserer Einbindung in ökologische Systeme. Wie könnte denn ein Geldschöpfungssystem aussehen, das das Überleben der Menschheit und der planetaren Ökosysteme priorisiert? Ein Geldschöpfungsregime, das zum Beispiel CO2-Verminderung eingebaut hat? Man könnte sich vorstellen, dass globale Institutionen in Zusammenarbeit mit Zentralbanken für jede entfernte oder verhinderte Tonne CO2 Geld schaffen. Akteure, die dieses zentrale Problem direkt angehen, würden damit über Nacht ins Zentrum der Geldordnung gerückt, weil sie privilegierten Zugang zu den Geldschöpfungsinstitutionen hätten. Und weil sie im Zentrum der Geldordnung wären, wären sie damit auch im Zentrum der Gesellschaft.

Massnahmen wie eine Jobgarantie oder CO2-vermindernde Geldschöpfung würden neue Prioritäten im monetären Bauplan der Gesellschaft verankern. Sie würden auch Akteure schaffen, die bereit sind, diese Prioritäten zu verteidigen, weil ihre monetäre Einbindung in die Gesellschaft davon abhängt. (Genauso wie derzeit die Erdgas-Lobby oder Banken bereit sind, ihre monetäre Einbindung in die Gesellschaft verteidigen). Das ist nicht nur wünschenswert, sondern wäre auch machbar. Ich habe gerade ein Buch darüber geschrieben, wie breite Koalitionen in den Vereinigten Staaten versucht haben, ihre Vision von Gesellschaft via Geldschöpfung zu institutionalisieren. Ich nenne diese Versuche und das weit verbreitete monetäre Wissen, das sie ermöglichte, „moralische Ökonomien des Geldes”. Der erste „March on Washington“ Ende des 19. Jahrhunderts war zum Beispiel eine Bewegung von Arbeitssuchenden, die sagten: Es ist absurd, dass der Kongress nicht Geld schöpft, um uns Arbeit zu geben. Wir haben etwas beizutragen, und wir müssen Geldschöpfung unseren Fähigkeiten und Bedürfnissen anpassen.

Und damit komme ich zu meiner fünften und letzten These: Prozesse, die wir direkt an die Geldschöpfung ankoppeln, werden von Tagespolitik, von Budgetdebatten und Meinungsumfragen temporär befreit. Menschenrechte wie das Recht auf Arbeit, oder lebensbedrohende Prozesse wie die globale Erhitzung sollten keine tagespolitischen Themen sein. (Ent-Tagespolitisierung ist natürlich eine Hyperpolitisierung: Entscheidungen darüber, was und was nicht ausserhalb der Debatte steht, sind die allerwichtigsten politischen Fragen.) Öffentliche Institutionen müssten dann nicht mehr dauernd debattieren, wie viele Arbeitslose denn zu viele sind, oder wie viel Geld denn zu viel ist, um die Menschheit zu retten. Weil es ein Umbau des monetären Bauplans bedeuten würde, würden Geldschöpfungsinstitutionen wünschenswerte Prozesse automatisieren.

Die Alternative zu moralischen Ökonomien des Geldes ist der vertraute monetäre Schlafwandel, in dem wir eine Robinson Crusoe-Beziehung zu Geld praktizieren und die Beantwortung der Geld-Fragen anderen überlassen

Bevor jemand sagt, dass sei undemokratisch oder unmöglich: Schon heute sind Prozesse automatisiert und von demokratischen Debatten ausgenommen (profitorientierte Geldschöpfung durch Banken zum Beispiel). Nicht alle diese automatisierten Prozesse sind wünschenswert, aber manche (wie automatische Zahlungen an Arbeitslose, die Nachfrage und Konsum in Krisenzeiten stabilisieren) zählen zu den Errungenschaften der Menschheit. Die zentralen demokratischen Debatten sind die, in denen es darum geht, welche Prozesse so wichtig sind, dass wir sie automatisieren, und welche derzeit so zweitrangig sind, dass wir darüber debattieren können. Geldschöpfung müsste direkt an diese Triage-Prozesse angekoppelt werden.

Das herkömmliche individualistische Geldverständnis lenkt uns davon ab, dass Geld menschlich geschaffen ist und Gesellschaften monetäre Gebilde sind, denen wir Form geben müssen. Wenn sich kritische Leute nicht mit der Rolle des Geldes befassen, überlassen sie diese Formgebung anderen und geben sich einem monetären Schlafwandel hin. Sie akzeptieren die Geldschöpfungs-Antworten, die andere für uns gefunden haben. Leute, die andere Interessen, Ideale, und Vorstellungen vom guten Leben haben (oder schon lange tot sind und deshalb nie von globaler Erhitzung gehört haben). Leute, die sich vielleicht geirrt haben. Leute, die Angst davor haben, dass Gewerkschaften zu stark werden, wenn es nicht genug Arbeitslose gibt. Leute, die argumentieren wollen, dass Geld und Jobs knapp sind und deshalb MigrantInnen ausgeschlossen werden müssen. Leute, die denken, dass Kindererziehung oder Hausputz unproduktiv, keine „Arbeit“ sind und deshalb nicht bezahlt werden müssen.

Die Alternative zu moralischen Ökonomien des Geldes ist der vertraute monetäre Schlafwandel, in dem wir eine Robinson Crusoe-Beziehung zu Geld praktizieren und die Beantwortung der Geld-Fragen anderen überlassen. Ich denke, das können wir uns nicht mehr leisten. Für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft, müssen wir die Geldordnung neu denken und umbauen.

Zum Autor:

Jakob Feinig ist Soziologe und Assistant Professor an der Binghamton University, Department of Human Development. Er forscht vor allem zur Geldgeschichte und Geldtheorie. Außerdem ist er Mitglied des Redaktionskollektivs Money on the Left. Sein Buch „Moral Economies of Money: Politics and the Monetary Constitution of Society“ (Stanford University Press) erscheint im Oktober 2022.

Zuerst erschienen im Online-Magazin Makronom in der Debattenreihe Economists for Future.

Die Debattenreihe Economists for Future widmet sich den damit verbundenen ökonomischen Herausforderungen. Sie beleuchten einerseits kritisch-konstruktiv Engführungen in den Wirtschaftswissenschaften sowie Leerstellen der aktuellen Wirtschaftspolitik. Andererseits diskutieren wir Orientierungspunkte für eine zukunftsfähige Wirtschaft und setzen Impulse für eine plurale Ökonomik, in der sich angemessen mit sozial-ökologischen Notwendigkeiten auseinandergesetzt wird.

Die erste Ausgabe der Debattenreihe erschien zwischen September und Dezember 2019. Der zweite Teil der Serie startete im September 2020, der dritte im Juni 2021. In der neuesten Ausgabe werden in den kommenden Monaten Aspekte rund um Macht & Märkte thematisiert. Hier finden Sie alle Beiträge, die bisher im Rahmen der Serie erschienen sind.

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